In der Gastronomie hängt die Frage nach einer eigenen App an zwei Antworten: Hast du Stammgäste, die mehr als einmal im Monat wiederkommen? Und gibt es jemanden, der täglich fünf Minuten Inhalte pflegt? Fällt eine davon nein aus, kannst du hier aufhören zu lesen. Fällt sie zweimal ja aus, wird es interessant – besonders, wenn du heute Provision pro Bestellung zahlst.
Die Anwendungsfälle, um die es geht
- Speisekarte, die immer stimmt. Der Mittagstisch wechselt täglich, die Karte saisonal – und ausgerechnet das Gericht, nach dem am Telefon gefragt wird, ist seit zwei Wochen raus.
- Vorbestellung und Abholung. Der Klassiker für alles, was zwischen 11:45 und 12:15 eine Schlange hat. Der Gewinn liegt selten im Umsatz pro Bestellung, eher in der entzerrten Spitze.
- Tischreservierung. Direkt in deinen Kalender, mit Bestätigung und Erinnerung am Vortag – technisch überschaubar und für die Auslastung oft wirksamer als eine Werbenachricht.
- Treuepunkte und Stammgast-Aktionen. Die digitale Stempelkarte, die nicht in der Waschmaschine landet – und ein Anlass, Gäste anzusprechen, die seit acht Wochen nicht da waren.
- Push zum Mittagsangebot – mit Maß. Eine Nachricht am Vormittag mit dem heutigen Gericht ist ein Service, drei am Tag sind für viele ein Grund, die App wieder zu löschen. Plane getrennte Kategorien (Mittagstisch, Aktionen, Reservierung), feste Zeitfenster und einen sichtbaren Abmelde-Schalter.
- Lieferung im eigenen Umkreis. Wenn du ohnehin selbst fährst: Liefergebiet als Radius oder Postleitzahlen, Zeitfenster, Status für den Gast. Sind alkoholische Getränke dabei, ist der Jugendschutz ein Thema – ob und wie eine Altersprüfung bei Bestellung und Übergabe abgebildet sein muss, sagen dir Ordnungsamt oder IHK; wir planen den Schritt technisch ein.
Die Rechnung, um die es wirklich geht
Der ehrliche Kern für jeden Betrieb, der liefert: Lieferplattformen kosten Provision pro Bestellung, eine eigene App kostet einmalig plus Betrieb. Das ist kein Argument gegen Plattformen, sondern ein anderer Kostentyp mit einer anderen Gegenleistung.
Was Plattformen liefern, kann eine eigene App nicht: Reichweite. Wer Hunger hat und nicht weiß, wo er bestellen soll, öffnet eine Plattform – nicht die App eines Lokals, das er noch nicht kennt. Dazu kommen Zahlungsabwicklung, teils Logistik und ein Marketingbudget, gegen das kein einzelner Betrieb anschreibt. Die eigene App ist das Gegenteil: null Reichweite, dafür keine Provision auf Bestellungen von Gästen, die dich längst kennen.
Der Rechenweg zum Selbstausfüllen
Provisionssätze stehen hier bewusst nicht: Sie werden vertraglich vereinbart und unterscheiden sich je nach Paket und danach, ob die Plattform auch fährt. Die belastbare Zahl steht auf deiner eigenen Abrechnung – nimm sie von dort, schätze sie nicht.
- Jahresprovision. Summiere aus den letzten zwölf Abrechnungen, was an Provision abgeflossen ist.
- Wiederkehrender Anteil. Wie viele dieser Bestellungen kamen von Gästen, die mehrfach bestellt haben? Nur dieser Teil ist verschiebbar.
- Realistisch verschiebbarer Anteil. Rechne konservativ – längst nicht jeder Stammbesteller wechselt auf Zuruf den Kanal. Das ergibt die Bruttoersparnis pro Jahr.
- Eigene Kosten abziehen. Zahlungsgebühren, Aufwand für Bestellannahme und Support, bei eigener Lieferung Fahrer und Fahrzeug. Übrig bleibt die Nettoersparnis.
- Gegenrechnen. Davon muss zuerst der laufende Betrieb der App bezahlt werden. Was bleibt, tilgt die Einmalkosten.
Unsere Faustregel: Kommt eine Amortisation von mehr als drei Jahren heraus, ist das ein Nein – oder zumindest ein Grund, deutlich kleiner anzufangen. Was dein Plattformvertrag zu eigenen Bestellwegen und zur Preisgestaltung sagt, steht in deinem Vertrag; dessen Bewertung gehört zu deinem Anwalt, nicht in einen Blogartikel.
Wann sich eine App nicht lohnt
Ohne Stammgäste. Bahnhofslage, Touristenviertel, Laufkundschaft: Kaum jemand installiert eine App für einen einzigen Besuch. Dieselbe Summe ist in Sichtbarkeit vor Ort besser angelegt.
Ohne jemanden, der pflegt. Eine App mit dem Mittagstisch von letzter Woche beschädigt genau das Vertrauen, für das du sie gebaut hast. Bestimme eine Person namentlich, nicht „das machen wir nebenbei“.
Wenn dein Kassensystem es schon kann. Frag zuerst deinen Kassenanbieter, was dein Paket an Bestell-, Reservierungs- oder Treuemodulen enthält. Etwas nachzubauen, wofür du ohnehin zahlst, ist der teuerste Weg zum gleichen Ergebnis.
Wenn es nur um die Karte geht. Dafür reicht eine gute mobile Website mit QR-Code am Tisch. Dafür brauchst du uns nicht.
Die klügere erste Stufe
Ein Gast, der zum ersten Mal bei dir sitzt, lädt selten etwas herunter, um eine Karte zu lesen. Eine Progressive Web App startet per QR-Code sofort im Browser, lässt sich auf den Startbildschirm legen und deckt Karte, Vorbestellung und Reservierung ab – zum Website-Budget statt zum App-Budget › „PWA oder native App?“.
Der Wechsel zur echten App lohnt sich, wenn Push dein zentraler Kanal wird oder Treuepunkte und Bestellhistorie auf jedem Gerät zuverlässig laufen müssen. Was eine App danach am Leben hält, steht in „Damit deine App wirklich genutzt wird“.
Zwei Grenzen, die früh geklärt gehören
Kennzeichnung. Was auf der gedruckten Karte an Angaben steht – Allergene, Zusatzstoffe, je nach Angebot mehr –, wird nicht weniger, weil die Karte im Handy steht. Welche Pflichtangaben für dein Angebot gelten, sagen dir Lebensmittelüberwachung oder IHK; unsere Aufgabe ist, die Felder pflegbar einzuplanen.
Kasse und Zahlung. Für elektronische Kassensysteme gelten in Deutschland eigene steuerliche Anforderungen – Stichworte technische Sicherheitseinrichtung und Belegausgabe (Stand 2026). Ob und wie das deinen Fall betrifft, klären Steuerberatung und Kassenanbieter; wir bauen danach die Schnittstelle, nicht die Bewertung. Den technischen Rahmen für Gästedaten und Push-Einwilligungen beschreibt „DSGVO-konforme App entwickeln“ – die Beurteilung deines Einzelfalls gehört zu Anwalt oder Datenschutzbeauftragtem.
Was das kostet
Unsere Preise stehen offen auf der Preis-Seite, der App-Kosten-Rechner rechnet deine Konfiguration durch. Für eine Gäste-App mit Karte, Vorbestellung und Treuepunkten sähe das so aus:
- Basis – Konzeption, UI-Grundlagen, Projektsetup, Qualitätssicherung, Store-Release: 11.000–18.000 €
- Cross-Platform, iOS und Android aus einer Codebasis: 7.500–12.000 €
- Individuelles Design: 4.500–9.000 € – hier sieht der Gast deine Marke, anders als bei einem internen Werkzeug
- E-Mail-Login für Treuepunkte und Bestellhistorie: 3.000–5.000 €
- Firebase oder Supabase als Backend: 4.500–9.000 €
- Push-Benachrichtigungen: 2.000–3.000 €
Macht 33.000–56.000 €. Häufige Ergänzungen: Bezahlung in der App 4.500–7.500 €, Karten und Standort fürs Liefergebiet 4.000–7.000 €, Schnittstelle zum Kassensystem 4.500–9.000 €.
Ein Posten ist hier kein Extra, sondern Bedingung und kommt oben drauf: das Admin-Dashboard im Web für 6.000–11.000 €, zusammen also 39.000–67.000 € und rechnerisch 12 bis 20 Wochen Umsetzung. Ohne eine Oberfläche, in der du die Karte selbst änderst, liefe jede Preisänderung über uns und über den Store – zu langsam für einen Mittagstisch. Aus demselben Grund passt die Starter-App zum Festpreis von 9.900 € meistens nicht: Sie kommt ohne eigenen Server, jede Kartenänderung liefe über ein Update im Store. Bei feststehender Karte kann sie reichen – fang ohnehin lieber eng an › „Das MVP-Prinzip“.
Dazu kommt der Betrieb – Faustregel 15–20 % der Projektsumme pro Jahr, bei uns als Wartungspakete ab 150 € netto im Monat, durchzurechnen im Betriebskosten-Rechner. Diese Summe gehört in Schritt 5 oben. Alle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer – unser Angebot richtet sich an Unternehmen, Selbstständige und Organisationen; die Herleitung steht in „Was kostet eine App?“.
Hat dein Betrieb eine Betriebsstätte in Bayern und weniger als 50 Mitarbeiter, prüf vorher den Digitalbonus Bayern – Stand 2026 gilt dort: erst Antrag, dann Projektstart.
Fazit
Eine eigene App ersetzt keine Reichweite, aber einen Teil deiner Provision – genau den, der auf Gäste entfällt, die dich längst kennen. Ob das für ein Projekt reicht, entscheidet deine letzte Jahresabrechnung. Bring sie mit, dazu eine Einschätzung deines Stammgast-Anteils und die Frage, wer künftig die Karte pflegt: Im kostenlosen Erstgespräch rechnen wir das gemeinsam durch. Wir antworten werktags innerhalb von 24 Stunden – und sagen dir auch dann ehrlich Bescheid, wenn eine PWA oder dein vorhandenes Kassensystem völlig reicht.