Die App läuft, die Nutzer sind da – aber niemand kann sie mehr anfassen. Der Dienstleister ist insolvent oder nicht erreichbar, die Person im Haus, die das Projekt betreut hat, hat gewechselt. Und dann kommt die Nachricht von Apple oder Google, dass etwas angepasst werden muss.
Dahinter steckt nicht zwangsläufig böser Wille: Firmen geben auf, Menschen wechseln den Job, Zugänge wachsen über Jahre und werden nie vollständig dokumentiert. Sachlich und konkret nach den fehlenden Zugängen zu fragen hält mehr Türen offen als ein Vorwurf.
Schritt 1: Bestandsaufnahme in Ruhe
Bevor es um Technik oder Kosten geht, brauchst du eine ehrliche Liste – mit der Notiz zu jedem Punkt, ob du heute selbst einloggen kannst.
- Quellcode und Repository. Gibt es ein Repository (GitHub, GitLab, Bitbucket …), und liegt es unter deinem Konto oder dem des Dienstleisters? Ein ZIP-Archiv von vor zwei Jahren ist kein Repository-Zugang.
- Store-Konten. Laufen Apple- und Google-Play-Konto auf deine Firma? Wer ist Kontoinhaber, wer kommt an die Zwei-Faktor-Authentifizierung, welche Zahlungsmethode ist hinterlegt?
- Signaturschlüssel. Android: Keystore samt Passwörtern. iOS: Zertifikate und Profile.
- Backend und Hosting. Firebase- oder Supabase-Projekt, Server, Cloud-Konto, Rechnungsempfänger.
- Domains und E-Mail. Auf wen registriert, wer verwaltet die DNS-Einträge?
- Drittanbieter-Dienste. Push, Analytics, Crash-Reporting, Zahlung, Karten, Mail-Versand.
- Design und Dokumentation. Design-Dateien, Icons, Schriftlizenzen, Store-Texte, Screenshots.
Zwei Dinge dürfen wir ausdrücklich nicht beurteilen: Ob dir Quellcode und Nutzungsrechte zustehen, ergibt sich aus deinem Vertrag – das gehört zu einer Anwältin oder einem Anwalt. Und ist ein Insolvenzverfahren im Spiel, gelten dort eigene Zuständigkeiten, die ebenfalls juristischer Rat klärt. Wir sagen dir, was du technisch brauchst – wie du rechtlich herankommst, nicht.
Schritt 2: Konten und Schlüssel sind die kritischen Punkte
Fehlender Quellcode ist unangenehm, aber ersetzbar. Fehlender Zugriff auf die Veröffentlichungswege ist heikler: Er trennt dich von deinen bestehenden Nutzern.
Die Store-Konten. Ohne Zugriff auf App Store Connect und die Google Play Console kann niemand ein Update veröffentlichen – auch nicht mit vollständigem Quellcode. Beim Apple Developer Program hängt zusätzlich die Verlängerung am Konto: Läuft die Mitgliedschaft aus, sind die Apps laut Apple nicht mehr zum Download verfügbar und Updates lassen sich nicht einreichen; bereits installierte Apps funktionieren weiter. Verlängern kann nur die Rolle „Account Holder“ (Stand 2026).
Für einen Wechsel gibt es geregelte Wege: einen App-Transfer zwischen Apple-Entwicklerkonten und ein Verfahren zur Übertragung von Apps in ein anderes Google-Play-Konto (Stand 2026). Beide setzen Mitwirkung voraus – bei Apple startet der Account Holder des abgebenden Kontos den Transfer, die Gegenseite nimmt ihn an. Solange Kontakt besteht, ist das der saubere Weg; sonst bleiben Support-Verfahren und der rechtliche Weg, und beides braucht Zeit.
Der Signaturschlüssel unter Android. Android-Apps werden signiert, und ein Update muss zur bestehenden Signatur passen. Nutzt deine App Play App Signing, verwahrt Google den App-Signaturschlüssel – ist dann nur der Upload-Schlüssel verloren, gibt es in der Play Console eine Anfrage zum Zurücksetzen (Stand 2026). Verwaltest du den Signaturschlüssel selbst und er ist weg, lässt er sich laut Google nicht zurücksetzen. Dann bleibt für Updates oft nur eine neue App mit neuem Paketnamen: Nutzer müssten neu installieren, Bewertungen und Reichweite starten bei null. Was für deine App gilt, zeigt der Bereich App-Integrität in der Play Console.
Bei iOS ist die Lage entspannter: Zertifikate und Profile lassen sich im Entwicklerkonto neu erzeugen – der kritische Punkt ist dort das Konto selbst.
Schritt 3: Was ein technisches Audit klärt
Sobald du weißt, was da ist und was fehlt, kommt die nüchterne Frage: Wie viel Arbeit steckt in der Übernahme? Das klärt ein Audit in vier Punkten.
- Baut das Projekt überhaupt? Lässt sich aus dem vorhandenen Stand auf einem frischen Rechner eine installierbare App erzeugen? Wenn nicht, ist das die wichtigste Information von allen.
- Code und Abhängigkeiten. Welches Framework in welcher Version, wie alt sind die Bibliotheken, werden sie noch gepflegt? Gibt es Tests, gibt es Struktur?
- Sicherheits- und Aktualitätsstand. Liegen Zugangsdaten im Code? Sind Serverzugriffe abgesichert? Erfüllt die App die aktuellen Store-Anforderungen? Ein Beispiel: Google Play verlangt für bestehende Apps zum 31. August 2026 eine Zielversion von Android 15 (API-Level 35) oder höher, auf Antrag mit Verlängerung bis 1. November 2026; Apps darunter sind für neue Nutzer auf neueren Android-Versionen nicht mehr verfügbar, bereits installierte laufen weiter (Stand August 2026). Solche Anforderungen ändern sich regelmäßig.
- Übernahmeaufwand. Was kostet es, das Projekt wieder release-fähig zu machen – und was danach im Monat?
Wie groß der Aufwand dafür ist, hängt vom Zustand des Projekts ab; wir rechnen ihn mit 90 € pro Stunde ab. Holst du mehrere Angebote ein, hilft die Liste aus „Woran du ein seriöses App-Angebot erkennst“ – Quellcode, Store-Konten und Wartung zählen bei einer Übernahme genauso wie beim Neubau. Alle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer – unser Angebot richtet sich an Unternehmen, Selbstständige und Organisationen.
Schritt 4: Drei realistische Wege
Weiterpflegen. Der Code baut, die Abhängigkeiten sind halbwegs aktuell, die Struktur ist nachvollziehbar. Dann arbeitet sich ein neues Team ein und pflegt weiter – der günstigste Fall.
Gezielt sanieren. Die App funktioniert, aber Teile sind veraltet. Dann wird nicht alles neu gebaut: Framework aktualisieren, kritische Bibliotheken tauschen, Build-Prozess wiederherstellen, Sicherheitsthemen abarbeiten – Ziel ist eine wieder veröffentlichbare App, kein perfektes Projekt.
Neu bauen. Manchmal ist das die ehrlichere Antwort. Anzeichen dafür:
- Das Projekt lässt sich auch nach mehreren Tagen nicht reproduzierbar bauen.
- Framework oder zentrale Bibliotheken werden nicht mehr gepflegt; ein Update geht nicht ohne Umbau.
- Der Funktionsumfang ist klein. Dann kann ein Neubau günstiger sein als das Entwirren einer fremden Codebasis – unser Festpreis-Einstieg liegt bei 9.900 € (in der Regel 4–6 Wochen), größere Vorhaben rechnet der App-Kosten-Rechner durch.
Als Faustregel, nicht als Gesetz: Kosten Sanierung und Einarbeitung deutlich über die Hälfte eines Neubaus und du sitzt danach immer noch auf alter Technik, ist der Neubau oft die bessere Investition – rechnen lässt sich das erst nach dem Audit.
Wie es bei uns läuft
Wir übernehmen bestehende Apps nicht blind: Am Anfang steht ein Audit mit schriftlichem Ergebnis – was ist da, was fehlt, was kostet die Übernahme, welchen Weg empfehlen wir und warum. Danach entscheidest du frei, auch für ein anderes Team.
Läuft die Übernahme, geht die App in ein Wartungspaket ab 150 € netto im Monat: Updates für neue iOS- und Android-Versionen, Monitoring, Bugfixes. Und wir sorgen dafür, dass sich die Lage nicht wiederholt – Konten auf deinen Namen, Schlüssel sicher hinterlegt, Zugänge dokumentiert, und im Angebot steht schriftlich, wann du welchen Stand des Quellcodes bekommst. Als Faustregel kostet der Betrieb 15–20 % der Projektsumme pro Jahr; die Posten schlüsselt „Was kostet eine App im Monat?“ auf, durchrechnen kannst du sie im Betriebskosten-Rechner.
Das Wichtigste in einem Satz
Klarheit zuerst über Konten und Schlüssel, dann über den Code – erst danach über Geld. Wenn du magst, gehen wir deine Liste in einem kostenlosen Erstgespräch durch. Wir antworten werktags innerhalb von 24 Stunden.